Würdigung für Falschabbieger, Teil 1

Nicht wirklich, oder?!Es gibt immer mal wieder Situationen, in denen man falsch abbiegt. Auch im Internet. Unsere Blog-Statistik zeigt uns nicht nur, wie wenig Besuch wir hier aktuell haben (Selber Schuld…), sondern auch, durch welche eingegebenen Begriffe in Suchmaschinen Leser hier gelandet sind. (Der häufigste ist übrigens „vegane pancakes“, das beruhigt uns sehr, da wir ein grandioses Rezept dafür hier bereitstellen und deshalb jeder, der danach gesucht hat, hier sein Ziel fand.) Festzustellen ist jedoch: Nicht immer scheint der- oder diejenige gefunden zu haben, wonach er oder sie suchte. Das tut uns in manchen Fällen wirklich leid, in anderen sind wir fast froh darüber.

Dennoch möchten wir uns hiermit in eine lange Reihe von Bloggern einreihen, die den bisher bedauerlicherweise falsch abgebogenen Suchenden einen Ort der Würdigung schenken. Zum Teil antworten wir verspätet, mal mehr und mal weniger ernst zu nehmen. In erster Linie: Unterhaltungswert. Für uns beim Schreiben. Und sonst so.

Was folgt, ist eine Auswahl der Suchbegriffe, mit denen Menschen auf unserem Blog gelandet sind:

„spacebar chorizo forum“
Die Begeisterung für vegane Chorizo-Spacebars können einige Saoghal-Mitglieder bestimmt nachvollziehen Ob es allerdings ein extra Forum für Fans dieses Snacks gibt, konnten wir noch nicht in Erfahrung bringen. Zumindest haben wir keines gefunden. Problematisch könnte es beim Aufbau eines Spacebar-Chrorizo-Fan-Forums werden, dass sich die Gesprächsthemen schneller erschöpfen. Wer es dennoch versuchen will: Als ersten Einstieg empfehlen wir Headlines wie „lecker, lecker“ oder „vegan chorizo for the win“.

„du bist hübsch“
Ganz genau, und das gilt für jeden. (siehe nachfolgende Antwort)

„perfektion erreichen mädchen“
Perfektion definiert man laut wikipedia als „die Vollkommenheit oder die Vollendung von etwas, also etwas, das sich nicht weiter verbessern lässt”. Was sich an Mädchen häufig verbessern lässt, ist das Gefühl von Selbstbestimmung und Selbstachtung, aber auch das gilt nicht für alle. Grundsätzlich kann man festhalten, dass vor allem äußerliche Vollkommenheit im Angesicht des Betrachters liegt und es de facto kein äußeres Erscheinungsbild gibt, das von jedem einzelnen, anderen Menschen als nicht mehr verbesserlich wahrgenommen wird. Genau so, und das ist das Gute daran, gibt es für jeden Menschen auf der Welt mindestens einen weiteren Menschen und höchstwahrscheinlich sehr viel mehr, bei dem oder denen die Wahrnehmung „Besser geht’s nicht“ zutrifft. Interessant ist auch das spirituelle Konzept von „perfection in the imperfection“, da wir einen absolut makellosen Zustand als verstörend bis unangenehm empfinden und gerade die kleinen „Ecken und Kanten“ einen Menschen perfekt erscheinen lassen, die wiederum als Makel gelten. Kurz gesagt: Es gibt kein Patentrezept für die Perfektion, weder für Mädchen noch für sonst irgendwen oder irgendwas. Ganz persönlich glaube ich jedoch: Es gibt keine Perfektion ohne die Fähigkeit, sich selbst anzunehmen, zu akzeptieren und zu lieben; und viele – nicht alle – Menschen, die von sich selbst behaupten, Perfektionisten zu sein, jene, die jederzeit nach Unübertrefflichkeit ihres Körpers, Aussehens, Erfolgs oder Lebensmodells streben, empfinde ich als langweilig und vorhersehbar. Oder, anders gesagt: „Mädchen, sch… auf Perfektion!“

„frühlingswiese malen“
Man nehme einen Pinsel und tauche ihn in grüne Farbe. Hiermit streiche man in schönen waagerechten Linien über ein Blatt Papier oder eine Leinwand. Danach verwuschelt man diese Linien ein wenig, um es grasähnlich aussehen zu lassen. Dann nimmt man eine Palette mit gelb, pink, lila, hellblau, weiß, orange und einem helleren Grünton und klopft manisch abwechselnd in die Farbkammern der Palette und das bereits gemalte Grün. Mit etwas Glück hat man dann ein Bild einer Frühlingswiese gemalt. Mit zu viel Pech immer noch einen grau-braunen Klumpen, den man mit „Die Grausamkeiten der Komplementärfarbenvermischung“ betiteln und teuer verkaufen kann.

„es ist ein gutes zeichen, wenn du dich dabei schlecht fühlst“
Woher dieses Zitat stammt, wissen wir nicht. Grundsätzlich halte ich den Zustand „sich schlecht fühlen“ für ein schlechtes Zeichen, denn der menschliche Körper verfügt nicht umsonst über Warnfunktionen. Der Verfasser dieses Zitats hat entweder Unrecht, sich falsch ausgedrückt oder verfügt über einen ausgeprägten Sadismus. Persönlich würde ich dazu raten: Nicht darauf hören!
Näher geklärt werden müsste für eine verbindliche Antwort jedoch die Frage: Wobei? (Und will ich das überhaupt wissen?)

„wo kann man in hannover vegetarian t shirt kaufen“
Ein guter Plan. Ganz persönlich empfehle ich hier an erster Stelle das Bekleidungssyndikat, dort sind alle Shirts vegan und zudem aus fair gehandelter Baumwolle.

„feuer der leidenschaft“
Rrrrrr… Ähm, naja… Ach, keine Ahnung.

„zwinker“
Ist das ein Flirtversuch? Früher galt es als lässig, mal einfach so jemanden anzuzwinkern. Heute wird es vielfach als aufdringlich empfunden. Das bekannte Zwinker-Emoticon* wird im Internet gern verwendet, um Aussagen ihre Schärfe zu nehmen. Das hat manchmal den Vorteil, geschriebene Ironie zu verdeutlichen. In den meisten Fällen heißt es aber lediglich, dass der Verfasser keine eigene Meinung vertreten will und sich jederzeit damit herausreden kann, es sei nicht ernst gemeint gewesen, das sähe man schließlich am angefügten Zwinkern.

„gemüt abgekühlt“
Wenn dies eine Beschreibung des Zustands des Online-Suchenden war: Herzlichen Glückwunsch. Jeder sollte dazu fähig sein, sein Gemüt abzukühlen. Wer es selbst mal versuchen will, dem empfehle ich Entspannungsübungen oder eine kalte Dusche mit Lavendelduft, der allgemein beruhigend wirkt.

„werder muffins selber machen“
Als 1896er fällt es uns schwer, dieses Ansinnen zu unterstützen, aber wir wollen mal nicht so sein. Werder-Muffins lassen sich recht einfach herstellen, indem man beliebigen Muffins eine mit grüner Lebensmittelfarbe versetzte Puderzuckerglasur verpasst und mit weißer Zuckerschrift ein „W“ ohne Anführungszeichen in einer Raute draufmalt. Wem das zu aufwändig ist, der kann auch diverse Algen in den Teig mischen, unter Umständen riecht der Muffin dann nach Fisch und es weiß ebenfalls jeder, was gemeint ist.

„wie fühlt man muffins am besten“
Nach einer sehr langen, anstrengenden und an unsere körperlichen und emotionalen Grenzen gehenden intensiven Prüfung kommen wir zu folgendem Ergebnis: In der Hand sollten Muffins sich nicht zu hart und nicht zu weich anfühlen, leicht eindrückbar sein, ohne matschig zu wirken, und eine gewisse Konsistenz aufweisen, die wir als „fluffig“ bezeichnen. Auf der Zunge zergehen sie in der Durchschnittsgeschwindigkeit von weichem Nougat, sind dabei jedoch weniger klebrig und definitiv nicht krümelig, sondern… fluffig. Das Bauchgefühl nach dem Verzehr von Muffins ist im Idealfall angenehm, es kann bei einer zu intensiven Füllmenge jedoch auch zu Übelkeit kommen, was wir nicht empfehlen.

„vegan als 16 jährige“
Kann man genau so sein wie vegan als Vierjährige, Achtzigjährige oder Neununddreißigjährige. Entscheidend bei gesunder Ernährung ist die altersgerechte Zusammenstellung von Nährstoffen, das gelingt vegan genau so wie vegetarisch oder omnivor.

„melancholie herbst regen seele“
Oh weh, da schien aber jemand miese Laune zu haben. Bei – wie wir Norddeutschen es nennen – Schietwetter im Herbst kann es durchaus zu Melancholie kommen. Als Gegenpol empfiehlt sich eine warme Decke, eine schöne Tasse Tee und hemmungsloses Springen in Pfützen. Bei einer ausgereiften Winterdepression soll UV-Licht helfen und ein kompetenter Arzt, der notfalls auch über therapeutische oder pharmazeutische Hilfen aufklären kann.

„wie werde ich lush tester“
Indem du dir bei Lush etwas kaufst oder von einem sehr netten Menschen schenken lässt und es ausprobierst, würde ich sagen.

„gedicht zum verlieren von lebensmut“
Dass ein Gedicht eine solch einschlagende Wirkung besitzen kann, dass man durch das Lesen den Lebensmut verliert, will ich mir gar nicht vorstellen. Einige Gedichte der Gattung „emotionale Neutronenbombe“, die ich auf diversen privaten Homepages mit roter (oder pinkfarbener) Schrift auf schwarzem Untergrund gelesen habe, waren aus Sicht einer Literaturwissenschaftlerin eine derartige Verletzung des eigenen ästhetischen Empfindens, dass sie kurzzeitig von latenter Übelkeit befallen wurde, im Regelfall jedoch eher von ungläubigen Lachkrämpfen. Ihren Lebensmut hat sie jedoch nicht dabei verloren, ich auch nicht, vielleicht waren die Gedichte einfach noch nicht schlecht genug dafür.

„was für krankheiten gibt es, wo man viel toleranz braucht“
Toleranz braucht man für jede Krankheit. Mir persönlich fällt es manchmal schwer, tolerant zu sein, wenn der Kollege Meier-Niehberger (Hallo, du Lusche, falls du dich angesprochen fühlst!) mal wieder drei Wochen ausfällt und ich ihn vertreten muss, weil er Vestopfung oder einen leichten Schnupfen hat. Im direkten Kontakt mit Kranken braucht man auch viel Toleranz. Hast du schon mal einen Mann gepflegt, der über 38°C Temperatur hat und deshalb tagelang winselnd im Bett liegt und alle fünf Minuten Gemüsebrühe, eine neue DVD oder angewärmte Flauschesocken apportiert haben muss? Ich sage dir, es ist kein Geschenk!
Ganz im Ernst bewundere ich jedoch nicht nur die Toleranz, sondern auch die Liebe und die Menge an Verständnis, mit der viele Angehörige chronisch Erkrankter mit ihrer Situation umgehen. Spätestens bei psychischen Erkrankungen, deren Wirkung oft etwas „Ungreifbares“ hat, das für Nicht-Erkrankte nicht immer nachvollziehbar erscheint, ist Toleranz gegenüber Erkrankten der Schlüssel überhaupt, um ein lebenswertes Leben für den Erkrankten zu ermöglichen. Diese Menschen verdienen meinen tiefsten Respekt.

„sind veganer geltundsüchtig ?“
Ich bin Veganer, und immerhin geltungssüchtig genug, um darauf hinzuweisen, wie man dieses Wort korrekt schreibt. Eine in Veganerkreisen verbreitete These, die an Arroganz wenig zu übertreffen vermag, besagt, dass vor allem Mitglieder unterer Bildungsschichten negativ auf Veganer blicken, während Menschen mit höherer Bildung sich eher Gedanken zum eigenen Wirken und Kosumverhalten machen und daher offener mit Veganern umgehen. Vertreter dieser These würden sich jetzt wie die – Achtung, schlechter Wortwitz! – Aasgeier auf diese Suchanfrage stürzen und ihre These bestätigt sehen, da die erste Assoziation mit Veganern sowohl negativ besetzt als auch noch falsch geschrieben ist. So weit würde ich jedoch nicht gehen, vielleicht bin ich also weniger geltungssüchtig als Andere. Grundsätzlich würde ich behaupten, dass es keine Formel dafür gibt, von einer Ernährungs- oder Lebensweise auf eine Charaktereigenschaft zu schließen.

* 😉

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6 thoughts on “Würdigung für Falschabbieger, Teil 1

    • Danke schön! Für den zweiten Teil haben wir sogar schon etwas „Material“. Warten wir auf all jene Suchenden, die da noch kommen mögen. Ich freue mich darauf.

  1. AHAHHAHAAHHAHA
    Das ist ja die genialste Idee seit es vegane Schokolade gibt.
    Schön des Öfteren habe ich mir überlegt, was ich mit den teilweise sehr witzigen Suchbegriffen machen könnte. Also wenn ich darf nehme ich diese Idee sowas von mit.

    Genial

    liebe pflanzliche Grüße, miss viwi

    • Freut mich immer, wenn wir inspirieren können. 🙂 Natürlich darfst du diese Idee gern mitnehmen, wir sind auch ganz sicher nicht die ersten, die eine solche Aktion machen. Ich glaube, zum ersten Mal habe ich das bei Sue aka. „Happy Schnitzel“ gelesen, aber woher die Idee ursprünglich stammt, weiß ich leider auch nicht.

    • Das Sammeln dieser Begriffe und anschließende veröffentlichen habe ich schon öfters gesehen, aber dass ihr so tolle Erklärungen/Kommentare hinzufügt ist genial.
      Danke.
      liebe pflanzliche Grüße, miss viwi

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